Geschichte

Knopf-Akkordeon

Als gegen 1830 das „Accordeon“ vom Österreicher Cyrill Demian zum Patent angemeldet wurde, war es noch lange nicht das Akkordeon, welches wir heute kennen. Es handelte sich dabei vielmehr um einen lächerlichen kleinen Kasten, den man aufs Knie legte und dem man durch Auf- und Abpumpen der Luft einige Melodietöne und wenige Begleitbasstöne entlocken konnte. Ziemlich schnell aber entwickelten findige Instrumentenbauer im Laufe der folgenden Jahrzehnte Ergänzungen und Änderungen, womit das Akkordeon seine Karriere beginnen konnte. Noch immer war es nicht das Tastenakkordeon von heute. Die Instrumente hatten Knöpfe – vergleichbar mit den ersten Schreibmaschinen – und eine offen liegende Mechanik. Die meisten dieser Instrumente sind diatonisch und somit im Spiel an eine be-stimmte Tonart gebunden und wechseltönig, d. h., jeder Knopf liefert bei Aufzug und Zudruck einen anderen Ton, wie es auch bei der Mundharmonika der Fall ist.
Was machte das Akkordeon so erfolgreich? Natürlich ist der Klang der Stimmzungen liebenswert. Aber etwas anderes machte das Akkordeon so attraktiv: Durch die Bässe und Akkorde auf der linken Seite bietet es praktisch eine Begleitautomatik, mit der ein einzelner Spieler sich leicht selbst begleiten kann, ohne besonders viel über Akkordlehre zu wissen. Das war im 19. Jahrhundert eine technische Revolu-tion, vergleichbar den heutigen Keyboards. Volksmusiker auf dem Land und aus den Vorstädten in aller Welt rissen sich darum, so ein technisches Wunderwerk zu ergattern. Niemand spielte Akkordeon nach Noten; man brachte sich das Spielen nach Gehör selbst bei oder liess sich von anderen Spielern etwas zeigen. Von der Warte des kulturbeflissenen Bildungsbürgers aus gesehen konnte man auf diesen Din-gern nicht richtige Musik machen. Damit blieb das Akkordeon lange Zeit ein Instrument für die wenig beachtete und belächelte Volksmusik.
In Deutschland war es führend die Firma HOHNER, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts das Ziel setzte, das Akkordeon salonfähig zu machen. Ihre Instrumentenbauer einwickelten das chromatische (d. h. in allen Tonarten bewegungsfähige) Akkordeon, wie wir es heute kennen: Das „Piano-Akkordeon“ war geboren. Um 1920 engagierte HOHNER Virtuosen, Arrangeure und Komponisten und liess Laien-spielkreise gründen – alles mit dem Ziel, das Akkordeon der Kunstmusik näher zu bringen (und natür-lich: Instrumente zu verkaufen). Das Akkordeon – so sehr es jetzt verbessert war – musste lange um seine Anerkennung als ernsthaftes Instrument kämpfen. Um 1925 setzte der Komponist Alban Berg das Akkordeon im Orchester seiner Oper „Woyzeck“ ein – aber nur zu dem Zweck, den schrillen Abgrund einer Kneipenszene zu untermalen! Dies entsetzte die klassisch orientierten Akkordeonisten und umso mehr gaben viele von ihnen sich Mühe, auf Seriosität zu pochen. Erst in jüngster Zeit verschafft sich das Akkordeon Anerkennung als Solo- und Kammermusik-Instrument, dessen Spiel man auch auf der Mu-sikhochschule studieren kann.

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